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"Von der Leyen verteidigt "Lockmittel" für Väter

Autor: "Bernd Wolff"
2006-04-17 08:58:45

"Von der Leyen verteidigt "Lockmittel" für Väter

Mit ihrem Vorschlag, Väter über das Elterngeld zur Kinderbetreuung zu
verpflichten, hat die Familienministerin von der Leyen in ein Wespennest
gestochen: Die Wahlfreiheit der Familien sei eingeschränkt, sagen
konservative Kritiker. Von der Leyen konterte: Es muss einen
"Mentalitätswechsel" geben. "

So weit, so gut - oder auch schlecht.

Fest steht, dass einige Väter garnicht die Möglichkeit haben, das Elterngeld
zu nutzen, da sie dann Ihren Job verlieren würden!
Für diese Gruppe wäre es dann ganz klar lediglich eine Kürzung der
Möglichkeitem, denn jetzt haben die Eltern noch die Wahl.
Andere Väter haben aus bekannten Gründen garnicht den notwendigen
Kontakt zum Kind.

Wie seht Ihr das?

Der größte Witz ist aus meiner Sicht, dass Von der Leyen wohl tatsächlich
der Auffassung ist, mit dem neuen Elterngeld gäbe es wieder mehr Kinder.

In welchem Wolkenkuckuksheim leben unsere Politiker denn eigentlich?

Gruß
Bernd

"Von der Leyen verteidigt "Lockmittel" für Väter

Autor: Tata
2006-04-17 10:38:24

"Von der Leyen verteidigt "Lockmittel" für Väter

Autor: Peter Bruells
2006-04-17 10:38:24

"Bernd Wolff" writes:

> In welchem Wolkenkuckuksheim leben unsere Politiker denn eigentlich?

Im Parlament, wo man ein ein nicht-leistungs-bezogenes monatliches
Grundgehalt bekommt, von dem Durchschnittsverdiener nur träumen
können.

"Von der Leyen verteidigt "Lockmittel" für Väter

Autor: Claudius@sailer-online.de (Claudius Sailer)
2006-04-17 11:02:37

Bernd Wolff wrote:

> "Von der Leyen verteidigt "Lockmittel" für Väter
>
> Mit ihrem Vorschlag, Väter über das Elterngeld zur Kinderbetreuung zu
> verpflichten, hat die Familienministerin von der Leyen in ein Wespennest
> gestochen: Die Wahlfreiheit der Familien sei eingeschränkt, sagen
> konservative Kritiker. Von der Leyen konterte: Es muss einen
> "Mentalitätswechsel" geben. "
>
> So weit, so gut - oder auch schlecht.
>
> Fest steht, dass einige Väter garnicht die Möglichkeit haben, das Elterngeld
> zu nutzen, da sie dann Ihren Job verlieren würden!
> Für diese Gruppe wäre es dann ganz klar lediglich eine Kürzung der
> Möglichkeitem, denn jetzt haben die Eltern noch die Wahl.
> Andere Väter haben aus bekannten Gründen garnicht den notwendigen
> Kontakt zum Kind.
>
> Wie seht Ihr das?

Es gibt sicherlich Väter, die ihren Job verlieren würden, andere nicht.
Ich finde diese Zwangsgeschichten einfach nicht gut. Dadurch wird es
nicht mehr Kinder geben. Wenn Familien unterstützt werden sollen, dann
soll es eine Familienunterstützung geben. Bitte gerne auch
einkommensabhängig, aber in der Hoheit der Entscheidung der Familie und
nicht der Gesetze.
Warum jemand der 500000EUR im Jahr verdient Kindergeld oder Elterngeld
braucht habe ich noch nie verstanden.

Den notwendigen Kontakt zum Kind? Sorry Bernd, den baut man als Mann und
Vater auf, wenn man ihn haben will. Mit viel oder wenig Zeit hat das
wenig zu tun und man kann sowas auch nicht ezwingen. Nur wenn man sich
selbst diese Zeit nicht nimmt, darf man sich nicht wundern, wenn
plötzlich ein 10 Jahre altes Kind einem frei ins Gesicht sagt, "Du hast
mir eh nichts zu sagen, wer bis Du eigentlich?"
Nicht die Masse machts, sondern die Hingabe und die Qualität. Neben der
finanziellen Familienförderung, hier kann man in Deutschland noch
einiges tun und von den anderen Europäern lernen, herscht hier auch eine
derart feindliches Kinderklima, das mich einfach nur graust.

Beispiele:
1. Ich fahre jeden Tag im Bus zur Arbeit und wieder nach Hause. Kein
Mensch hilft einer Mutter mit Kinderwagen, selbigen in den Bus zu
befördern (ausländische Mitbürger helfen sehr oft, deutsche zum größten
Teil nicht).
2. In der Fußgängerzone mit dem Kinderwagen unterwegs. Die
entgegenkommenden Personengruppen, machen keinen Millimeter Platz, man
muss eher mit dem Kinderwagen um die Personengruppen hermujonglieren als
dass mal jemand bereit ist etwas zur Seite zu treten. Dumm angeschaut
wird man auch noch wenn der Kinderwagen mal an einer Stelle steht, und
dadurch Passanten genötigt werden einen Bogen zu laufen oder 1 Minuten
zu warten, da man gerade das Kind in den Kinderwagen setzt oder
herausholt.
3. Erzieherinnen werden in der Gesellschaft immer noch mehrheitlich als
die Spieltanten der Kinder angesehen und nicht als das was sie sind oder
sein sollten. Solange immer noch die Meining vorherrscht, dass jede
Mutter und jeder Vater solche einen Job sofort übernehmen könnte, stimmt
was nicht.

Das sind einfach nur 3 Beispiele, die meiner Meinung nach bei uns selber
beginnen. Die Wertigkeit von Kindern und Eltern fangen bei uns selber
an. Was uns fehlt ist Freundlichkeit, Höflichkeit, Rücksichtnahme und
Zuvorkommenheit. Dies fällt bei Erwachsenen untereinander nicht so auf,
da wir alle "unabhängig" und "stark" sind. Bei den Schwächeren oder
Hilfsbedürftigeren (Kinder und Familien) tritt es plötzlich zu Tage.


> Der größte Witz ist aus meiner Sicht, dass Von der Leyen wohl tatsächlich
> der Auffassung ist, mit dem neuen Elterngeld gäbe es wieder mehr Kinder.
>
> In welchem Wolkenkuckuksheim leben unsere Politiker denn eigentlich?

Sie sieht das von der akademischen Seite. Schliesslich hat sie viel
studiert und viel gesehen und aufgrund ihrer vielen Kinder voll den
Durchblick. Nur eben von einer etwas abgesicherteren finanziellen Seite.
Wo es einer Familie, die sie fördern will, wirklich weh tut, hat sie gar
nicht kapiert.

Ciao


Claudius

"Von der Leyen verteidigt "Lockmittel" für Väter

Autor: Willibald Papesch
2006-04-17 11:25:21

Claudius Sailer wrote:
[...]
> Was uns fehlt ist Freundlichkeit, Höflichkeit, Rücksichtnahme
> und Zuvorkommenheit. Dies fällt bei Erwachsenen untereinander
> nicht so auf, da wir alle "unabhängig" und "stark" sind. Bei den
> Schwächeren oder Hilfsbedürftigeren (Kinder und Familien) tritt
> es plötzlich zu Tage.

... und jede Erziehung wäre überflüssig.

Willibald

"Von der Leyen verteidigt "Lockmittel" für Väter

Autor: Willibald Papesch
2006-04-17 11:32:55

Peter Bruells wrote:

> "Bernd Wolff" writes:
>
>> In welchem Wolkenkuckuksheim leben unsere Politiker denn
>> eigentlich?
>
> Im Parlament, wo man ein ein nicht-leistungs-bezogenes

Tatsächlich? Bist du so naiv oder so uninformiert, dass du meinst,
die Arbeit eines Parlamentariers beschränke sich auf das Absitzen
im Parlament? Schon mal was von Wahlkreisarbeit,
Bürgersprechstunden, Veranstaltungsmarathons, dazu alle vier
Jahre Wahlkampf mit allen Kosten und Risiken ... gehört?

> monatliches Grundgehalt bekommt, von dem Durchschnittsverdiener
> nur träumen können.

Warum wirst du dann nicht Politiker? Dann kämst du doch auch in
den Genuss?

Vermutlich hast du noch nie darüber nachgedacht, warum wir
tatsächlich Qualitätsmangel in den Parlamenten haben? Weil für
wirklich gute Leute das völlig unattraktiv ist? Zu geringes
Gehalt - jeder Mittelständler verdient mehr als der Bundeskanzler
- zu hohe Arbeitsbelastung, Verzicht auf jedes Privatleben und
erleben, wie jede Frau und jeder Mann sich selbstverständliche
das Recht herausnimmt, einen öffentlich anzupinkeln?

Bei den Funkern in der Bundeswehr heißt es: denken - drücken -
sprechen.

Vielleicht solltest du das mal nachmachen.

"Von der Leyen verteidigt "Lockmittel" für Väter

Autor: Robert Latest
2006-04-17 10:05:52

On 2006-04-17, Bernd Wolff wrote:

> Fest steht, dass einige Väter garnicht die Möglichkeit haben, das Elterngeld
> zu nutzen, da sie dann Ihren Job verlieren würden!

...was vor allem daran liegt, daß Elternzeit bei Vätern dermaßen
unüblich ist, daß die meisten erst einmal ihrem (männlichen) Chef
erklären müßten, was das ist.

Ich selbst arbeite im öffentlichen Dienst, da droht wegen
Elternzeit kein Jobverlust, aber mein Vorgesetzter hat sich, als
ich für 8 Monate auf eine Viertelstelle reduzierte, besogt bei
meinen Kollegen nach möglichen Motivationsproblemen erkundigt.
Weil er sich schlicht nicht vorstellen konnte, daß jemand aus
familiären Gründen sein Arbeitsleben einschränken wollen könnte.
Selbst hat er übrigens 2 Kinder.

Was ich damit sagen will, ist, daß der auf Kosten seines Berufs
oder gar der Karriere erziehende Vater in unserer Gesellschaft --
abgesehen von wenigen Exoten, über die viel geschrieben wird --
nicht existiert. Kein Personalchef würde jemals einen
qualifizierten männlichen Kandidaten ablehnen, weil er fürchtet,
er könne Vater werden und dann für längere Zeit ausfallen -- ein
Haupthindernis für Frauen, auf gute Posten zu kommen. Mit der
Elterngeld-Neuregelung würden einfach Präzedenzfälle geschaffen,
die das Bild des erziehenden Vaters in der Gesellschaft insgesamt
verankern und damit auch für Frauen neue Möglichkeiten schaffen
würde.

Die konventionelle Elternzeit betoniert nur die herrschenden
Verhältnisse, weil es sich nur für den weniger gut verdienenden
Elternteil lohnt, den Job zeitweise aufzugeben. Das ist bis auf
wenige Ausnahmen immer die Frau, und das muß sich ändern.

robert

"Von der Leyen verteidigt "Lockmittel" für Väter

Autor: Peter Bruells
2006-04-17 13:38:03

Claudius@sailer-online.de (Claudius Sailer) writes:

> Beispiele:

> 1. Ich fahre jeden Tag im Bus zur Arbeit und wieder nach Hause. Kein
> Mensch hilft einer Mutter mit Kinderwagen, selbigen in den Bus zu
> befördern (ausländische Mitbürger helfen sehr oft, deutsche zum
> größten Teil nicht).

Ich weiß nicht wo Du fährst, ich bin noch nie in einem Bus gefahren,
wo niemand geholfen hätte - und ich spinge beileibe nicht als erster
auf.


> 2. In der Fußgängerzone mit dem Kinderwagen unterwegs. Die
> entgegenkommenden Personengruppen, machen keinen Millimeter Platz,
> man muss eher mit dem Kinderwagen um die Personengruppen
> hermujonglieren als dass mal jemand bereit ist etwas zur Seite zu
> treten. Dumm angeschaut wird man auch noch wenn der Kinderwagen mal
> an einer Stelle steht, und dadurch Passanten genötigt werden einen
> Bogen zu laufen oder 1 Minuten zu warten, da man gerade das Kind in
> den Kinderwagen setzt oder herausholt.

Das ist kein spezfisches Problem der Kinderfeindlichkeit. Das gleiche
Problem habe ich auch, wenn ich ein Fahrrad schiebe oder etwas
schweres trage. Und im Gegenzug sehe ich nicht gerade wenige
Kinderwagen, die maximal ungeschickt abgestellt sind, so daß man auf
den Bürgersteig ausweichem muß oder eine andere Gasse verstellt ist,
ohne, daß es auch nur ansatzweise unvermeidlich gewesen wäre. Nur ist
das auch kein spezfisches Problem von ELtern, da das auch Kinderlose
problemlos mit ihrenEinkaufswagen schaffen.


> 3. Erzieherinnen werden in der Gesellschaft immer noch mehrheitlich
> als die Spieltanten der Kinder angesehen und nicht als das was sie
> sind oder sein sollten. Solange immer noch die Meining vorherrscht,
> dass jede Mutter und jeder Vater solche einen Job sofort übernehmen
> könnte, stimmt was nicht.

Erstaunlicherweise scheint das die Ansicht nicht gerade weniger Eltern
zu sein, wenn ich so Äußerungen aus der Nachbarschaft, meinen
Lehrer-Verwandten und den Bejublern des "Lehrerhasserbuches" zu sein.

> Das sind einfach nur 3 Beispiele, die meiner Meinung nach bei uns
> selber beginnen. Die Wertigkeit von Kindern und Eltern fangen bei
> uns selber an.

> Was uns fehlt ist Freundlichkeit, Höflichkeit, Rücksichtnahme und
> Zuvorkommenheit. Dies fällt bei Erwachsenen untereinander nicht so
> auf, da wir alle "unabhängig" und "stark" sind. Bei den Schwächeren
> oder Hilfsbedürftigeren (Kinder und Familien) tritt es plötzlich zu
> Tage.


Es tritt bei allen Hilfbedürftigeren zu Tage.

"Von der Leyen verteidigt "Lockmittel" für Väter

Autor: Andreas Froehlich
2006-04-17 13:54:57

Claudius Sailer schrieb:

> Warum jemand der 500000EUR im Jahr verdient Kindergeld oder Elterngeld
> braucht habe ich noch nie verstanden.
>

Weil unsere Politiker das so gut kaschieren: Kindergeld wird als
großzügiges Almosen des Staates verkauft. In Wirklichkeit ist das
Kindergeld aber nur ein Ausgleich für die (ohne diesen Ausgleich
verfassungswidrige) Besteuerung des Existenzminimums von Kindern.

Im Praktischen heißt das, daß gutverdienende über die Steuervorteile
sogar *mehr* Einkommensvorteile haben, als über das Kindergeld.

Andreas

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