Anrede
Am Sun, 14 Sep 2003 14:25:17 +0200 schrieb Mervi Esser:
> Ich persönlich hätte damit kein Problem, solange es das Kind so
möchte.
> ZB: Papa Martin und Papa Karl-Heinz, wenn es denn eine Unterscheidung
> geben muss.(Es gibt doch meist auch zwei Omas und 2 Opas...) Lass das Kind
> entscheiden.
Das ist zumindest mal was zum drüber nachdenken. Interessanter Ansatz.
> Aber bitte: lass Dich von Deiner Freundin nicht als "Papa"
anreden, wie in
> einem anderen Posting empfohlen... *graus* Stell ich mir extrem Lust- und
> Liebes-tötend vor, plötzlich namentlich auf diese Rolle
reduziert zu
> werden!
So war das auch gar nicht gemeint. Es ist nur ein Unterschied ob man zum
Kind sagt: "Die Mama ist mal eben nach draußen gegangen." oder
"Anna ist
mal eben ..."
Martin
Anrede
Anrede
Am Sun, 14 Sep 2003 14:18:18 +0200 schrieb Karsten Lüdersen:
> Für den biologischen Vater könnte es aber problematisch sein ...
Ja, das hab ich mir auch schon gedacht...
Martin
Anrede
X-No-Archive: Yes
Martin Klaffenboeck wrote:
> Wenn unser Kind dann Papa zu mir sagt, meine Tochter zu mir aber
> Martin, dann stelle ich mir das etwas ungewöhnlich vor. Es ist als
> ob ich dann etwas in die Ferne rücke, weil ich es für weniger
> persönlich halte, man spricht ja auch Freunde mit dem Vornamen an.
> Wenn aber mein leibliches Kind mich mit Martin anspricht, dann ist
> mir das auch eher unangenehm, denn die Mama wird wohl auch hier mit
> Mama angesprochen werden, weil sie ja aus biologischer Sicht für
> beide Kinder in der selben Position sich befindet.
>
> Vielleicht habt ihr ein paar Gedanken und Anregungen für mich?
Also.. bei uns ist es eine ähnliche Konstellation:
Mein Ehemann hat mit seiner von vor 10 Jahren Exfreundin ein
gemeinsames Kind. Die wurde gestern 9. Mein Mann und ihre Mutter
waren nach der Geburt schon kein Paar mehr, und so haben sich
natürlich beide im Laufe der Zeit andere Partner gesucht. :)
Die Mutter von J. hat irgendwann geheiratet, dort nennt sie die beiden
"Mama und Papa", bzw. "Papa <Vorname>". :)
Mein Männe ist ihr "echter", bzw. "anderer Papa".
Als mein Mann und ich geheiratet haben (was einige Jahre später war),
war sie sehr glücklich, und war super stolz darauf, mich ab der Hochzeit
endlich auch Mama nennen zu dürfen. :) Bis dahin hatte sie mich auch
Monica genannt. Das "Mama" ging aber von ihr aus, sie hat mich auch
vorher gefragt, ob sie das ab der Hochzeit dürfe, es war wirklich ein
brennender Wunsch von ihr. Ich bin dann halt gerufen "Mama", und wenn
sie von mir spricht, entweder "die andere Mama" oder "Mama
Monica".
In ihrer Vorstellung wurde ich aber auch erst durch die Heirat ihre zweite
Mama.. und sie war damals "schon" 5, also älter als Deine
"Tochter",
und konnte schon ein bisschen anders darüber nachdenken. :)
Tja.. was aber sicherlich mithineinspielt ist folgendes: mein Mann und
die Mutter von der J. haben sich schon früh darauf geeinigt, dass das
ganze für sie so einfach und wenig belastend wie möglich dargestellt
werden soll.
Dass sie die komische Familienstruktur nicht als Makel empfindet,
sondern als etwas besonders gutes, und das auch vor möglicherweise
stichelnden Kameraden so selbstverständlich vertreten kann.
Also "Du bist etwas Besonderes, weil Du gleich 2 Mamas und Papas
hast, die Dich liebhaben".
Sie ist in dem Selbstverständnis "grossgeworden", dass sie halt
2
Papas hat, und irgendwann kam halt auch noch eine zweite Mama
dazu. Und sie grinst immer völlig verzückt, wenn sie an die unaus-
sprechliche Zahl von Grosseltern denkt, die sie dadurch erstmal hat.. :)
Es wurde erstmal, als sie klein war, zumindest bei den Papas keine
so grosse Unterscheidung gemacht, bis auf die Tatsache, dass der
eine eben bei ihr wohnte, und sie den anderen öfter mal besucht hat.
Vor 1-2 Jahren kam dann so langsam das Hinterfragen, weil sie das
dann nicht mehr begreifen konnte, wie das sein könnte...
Also die ganze Aufklärungsgeschichte in vielen Wochen nahegebracht,
dass der Papa und ihre Mama "Sex" miteinander hatten und sie dabei
entstanden ist, ich habe ihr dann ein Bilderalbum von Anbeginn an
gemacht und alle Quellen angezapft, die ich finden konnte, wo sie auch
sehen konnte, dass nach ihrer Geburt mein Mann am Bett von ihrer
Mutter sass; so wurde das Phänomen "echter" Papa dann greifbarer
für
sie.
Und sie versucht natürlich auszuloten, inwieweit ich denn mütterliche
Gefühle für sie habe, ob es wirklich das gleiche wäre, wenn ich
sie
geboren hätte. So langsam tastet sie sich eben an das Thema heran.
Was bis jetzt noch gar nicht auftauchte, aber das wird auch irgendwann
kommen, ist warum mein Mann denn nicht mit ihrer Mutter zusammen
ist und die beiden sich nicht geheiratet haben. Bis jetzt ist sie über
diesen Punkt noch nicht gestolpert oder hat es nicht gefragt.
Aber ich bin sicher, dass wir ihr das auch irgendwie schonend bei-
bringen können, zumindest hoffe ich das.
Ich kann halt nur sagen, dass für sie das doppelte Vorhandensein von
Mamas und Papas "normal" ist. So normal, dass sie zu Muttertag
auch für mich etwas macht, und die Lehrerin vor die blöde Situation
stellt, nicht genug Sachen für eine Mama mehr zu haben.. :)
Klar, das gelebte Leben ist das mit ihrer "richtigen Mama" und ihrem
"Papa <Vorname>". Sonst denkt sie wahrscheinlich nicht sooo
viel
an uns, auch wenn sie sich auf jedes Wochenende freut.
Sie ist halt auch ein vielbeschäftigtes Persönchen. :)
Und sie merkt natürlich auch, dass ihr "richtiger" Papa ein
bissl anders
mit ihr umgeht, als der angeheiratete Papa - dass sie dem ähnlich sieht,
ähnliche Sachen mag wie er.. aber ihr Verständnis von alledem geht
noch nicht ganz soo weit, das bis in alle Konsequenzen zu begreifen.
Aber sie und ich sind uns auf jeden Fall einig, dass ich mit den bösen
Stiefmüttern aus den Märchen gottseidank keinerlei Ähnlichkeit
habe. :)
So.. Deine Tochter ist aber eigentlich noch ein bissl klein für sowas.
Ich könnte mir vorstellen, dass "Martin" einfach nur der
"Name für Dich"
ist, der ihr beigebracht wurde, ohne Bedeutung. Halt wie Gackgack oder
Ente - synonym.
Ich kenne ein anderes ca. gleichaltriges Kind, das zweisprachig erzogen
wird.. polnisch und deutsch. Das kann sie auch ganz gut unterscheiden.
Die wurde dann mal gefragt, was "Mama" auf polnisch hiesse.. da
über-
legte sie, und nannte dann den Rufnamen der Mama. :) Weil sie das
immer gehört hatte, wenn sich die Eltern miteinander unterhalten haben.
Vielleicht möchte sie Dich ja Papa nennen, wenn sie erst weiss, dass
sie das könnte, dass Papa auch ein Begriff für Dich wäre.. :)
Vielleicht
kann man ihr das auch altersgerecht erklären, was "ein Papa und eine
Mama" eigentlich ist, und dass Du für sie empfindest, wie ein Papa es
tut - dass Du sie so liebhast, und sie für Dich eine Tochter ist.
Man muss gucken. Ich denke aber auch, dass sie Dich sicher spätestens
dann Papa nennen möchte, wenn Dein eigenes Kind in dem Alter ist,
wo es anfängt, Euch zu benennen. Ihr werdet ihr ja sicher auch ganz
selbstverständlich nahelegen, dass Euer Kind ihr Schwesterchen oder
Brücherchen ist, und nicht einem dreijährigen Kind die Definition von
"Halbbruder" oder "Halbschwester" aufnötigen. ;)
Insofern kommt es früher oder später sicher von alleine.. nur sollte
Deine Tochter dann wissen, dass Du sie so nennen kannst und darfst -
sonst wird sie sich sicher auch irgendwo ausgeschlossen fühlen.
So, ich hoffe, ich konnte Dir ein kleines bisschen weiterhelfen..
Smurfy
Anrede
Martin Klaffenboeck wrote:
> Da komme ich gerade drauf, dass ich ein wichtiges Detail nicht
> aufgeschrieben habe. Der biol. Vater von unserer 3-jährigen schaut
> jede Woche vorbei, sie verstehen sich auch einiger maßen gut und wir
> mit ihm auch, bis auf einige Kleinigkeiten.
>
> Ich denke, sie sollte nicht 2 Personen mit Papa ansprechen, oder?
Naja, warum nicht?
Sie kann Dich ja "Papa Martin" nennen für diese Fälle, wo
ihr beide da
seid oder so.. diese Möglichkeit muss ihr natürlich gezeigt werden,
z.B.
von Deiner Partnerin.
Ich denke auch, dass es die einfachste Möglichkeit ist, wenn Deine
Freundin das nach und nach so unterscheidet, dass sie halt vom Papa
Martin und vom Papa <soundso> redet und das damit "vormacht".
Es kann sowieso nur so funktionieren, dass das Kind "einen Papa
dazugewinnt". Wenn sie ab jetzt Dich Papa nennen sollte, und ihren
leiblichen Vater plötzlich nicht mehr, dann würde das auch Probleme
mit sich ziehen... insofern würde nach Deiner Konsequenz Deine
Tochter Dich immer weiter mit Vornamen anreden, oder irgendwann
den leiblichen Vater nicht mehr Papa nennen..
Wie ich in dem anderen Posting ja schon ausführlich erzählte: 2 Mamas
und Papas sind kein so grosses Problem, wenn man es dem Kind in
jedem Alter nur irgendwie vermitteln kann. Und in so jungen Jahren
nehmen die Kleinen das sowieso ohne Hinterfragen erstmal so an -
die Fragen kommen einige Jahre später.. :)
Smurfy
Anrede
Martin Klaffenboeck wrote:
> Am Sun, 14 Sep 2003 14:18:18 +0200 schrieb Karsten Lüdersen:
>
>> Für den biologischen Vater könnte es aber problematisch sein
...
>
> Ja, das hab ich mir auch schon gedacht...
Die einfachste Variante ist, dass ihr das zu dritt mal besprecht.
Besonders wenn ihr euch gut versteht, sollte es kein so grosses
Problem sein, das mal durchzusprechen, die Ängste auszuräumen,
die er vielleicht dabei haben könnte.
Wie Merva schon so richtig schrieb: "Papa" ist ein Titel, eher ein
Name, eine Bezeichnung. Und diese Bezeichnung hat das Kind
halt irgendwann gelernt. Genau wie ein Hund vielleicht mal ein
"Wauwau" war, kann auch ein "Martin" irgendwann ein
"Papa"
werden. Die Bedeutung dahinter ist dem Kind in dem Alter noch
nicht bewusst.
Wir Erwachsenen sehen sowas natürlich ganz anders. Wir wissen,
dass es nur EINEN Papa und EINE Mama gibt.. aber Kinder, be-
sonders in dem Alter sehen das nicht so.
Die lernen vielleicht irgendwann, dass andere Kinder auch "Papas"
haben.. und kommen irgendwann hinter das Prinzip.. aber zualler-
erst ist das einfach nur ein Wort, und zwar das Wort, auf das reagiert
wird, wenn das Kind die betreffende Person damit anspricht.
So mit 6-7 kannst Du Dich darauf gefasst machen, dass das Ganze
genauer hinterfragt wird, weil dann (zumindest bei uns wars so)
nicht mehr verstanden werden kann, wie ein anderer Mann der
Vater sein kann, wenn man doch aber als Familie mit einem anderen
"Papa" zusammenlebt. :)
Und dann kommt man vielleicht ins Rudern, muss erklären, dass
es einen "richtigen Papa" gibt, der das Kind "gemacht" hat,
aber
dass ein anderer Mensch sehr wohl auch ein Papa oder eine Mama
für ein Kind sein - wichtig dafür ist, ob derjenige für das Kind
da
ist und es liebhat. Das kann ein Kind verstehen.
Wichtig für den leiblichen Vater wäre aus meiner Sicht, dass mit
dem Wunsch, dass sie Dich Papa nennen möge, nicht verbunden
ist, dass seine Existenz oder Bedeutung für sein Kind ausradiert
werden soll. Dass auch er weiterhin der "Papa" bleibt, und dass
auch nie verschwiegen wird, dass er "der richtige Papa" ist.
Dass er weiterhin einbezogen wird.
Und auch der Wunsch, dass das Kind sich in Kindergarten oder
Schule, erstrecht aber auch mit der Geburt des Kindes sich auf
keinen Fall zurückgesetzt fühlen soll, weil es nicht mit einem
"Papa" zusammenlebt, sondern "nur" mit einem
"Martin".
Kinder können da fies sein, und sagen "Du hast ja gar keinen
Papa, warum nennst Du den dann Martin"? Kann alles kommen.
Es macht, wenn es erstmal gelebt wird, wirklich keine grossen
Schwierigkeiten, aber den Erwachsenen muss dabei erstmal
die Scheu genommen werden - wir haben mit den aus Namen
entstehenden Konsequenzen oft viel mehr Probleme, als die
Kinder..
Smurfy
Anrede
Am Sun, 14 Sep 2003 18:38:48 +0200 schrieb Monica Ladberg:
Hallo Monica!
Danke für deine Ausführungen, so viel hätts eigentlich gar nicht
gebraucht, aber es ist ja trotzdem recht interessant.
Es ist ja bei uns so, dass der richtige Papa ja jede Woche vorbeischaut.
Und wie schon jemand anderer gemeint hat, kann es ja durchaus vorkommen,
dass der biol. Vater Probleme damit hat, wenn ich nun auch Papa genannt
werde. Für die Kleine wäre es sicher kein Problem.
Sie hat ja auch schon mal so eine Andeutung gemacht: "Irgendwie bist du
ja auch ein Papa."
Der biol. Papa hat ja so seine Probleme damit, dass er sie nicht so viel
sieht wie ich usw. Damit kämpft er. Wenn ich nun auch noch Papa genannt
werde, ist das sicher nicht so einfach. Ich meine, Tatsache ist ja, dass
Benni (Benita - so heißt unsere 3-jährige), mit mir einfach mehr
mitmacht, als mit ihm, also das führe ich jetzt einfach auf die
Vertrauensbasis zurück, die ja einfach durch bedingt ist, dass ich sie ja
ständig sehe, er aber nur einmal pro Woche. (Er könnte von uns aus
durchaus öfters, das geht so von ihm aus, er hätte nicht so viel Zeit
meint er und sieht sich gleichzeitig Leid, wenn er für sie halt mit
Gummibärchen interessanter ist als ohne.)
Ach ja, du schriebst:
> So.. Deine Tochter ist aber eigentlich noch ein bissl klein für
sowas.
> Ich könnte mir vorstellen, dass "Martin" einfach nur der
"Name für Dich"
> ist, der ihr beigebracht wurde, ohne Bedeutung. Halt wie Gackgack oder
> Ente - synonym.
Sie redet eigentlich schon lange in ganzen Sätzen. *gg*
Ich habe mitlerweile das Gefühl, dass man da nichts besonders dazu tun
muss und dass alles von selber kommt. Das machts irgendwie einfacher.
Martin
Anrede
Martin Klaffenboeck wrote:
> Am Sun, 14 Sep 2003 18:38:48 +0200 schrieb Monica Ladberg:
>
>
> Hallo Monica!
>
> Danke für deine Ausführungen, so viel hätts eigentlich gar
nicht
> gebraucht, aber es ist ja trotzdem recht interessant.
>
> Es ist ja bei uns so, dass der richtige Papa ja jede Woche vorbeischaut.
> Und wie schon jemand anderer gemeint hat, kann es ja durchaus vorkommen,
> dass der biol. Vater Probleme damit hat, wenn ich nun auch Papa genannt
> werde. Für die Kleine wäre es sicher kein Problem.
>
> (...)
Vielleicht könnt ihr ja in eurer Familie einen anderen Begriff als Papa
für dich wählen, wie zB Papi, Vati, Paps o.ä.
Dann bist du halt für B. und dein Kind der Papi o.ä. und der
leibliche
Vater von B. ist der Papa.
> Martin
Liebe Grüße
Ebba
Anrede
Ebba Lippert wrote:
> Vielleicht könnt ihr ja in eurer Familie einen anderen Begriff als
> Papa für dich wählen, wie zB Papi, Vati, Paps o.ä.
>
> Dann bist du halt für B. und dein Kind der Papi o.ä. und der
leibliche
> Vater von B. ist der Papa.
Super Idee..
wenn ich es recht überlege.. meine Schwiegereltern sind ja für
mich auch "neue Eltern" dazu.. gratis zum Ehemann.. :)
Die nenne ich Mama und Papa, meine Eltern waren halt
Mami und Papi bzw. Paps.. funktioniert also auch als Erwachsener.. :)
Smurfy